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Effiziente Kommissionierung | Alles rund um Lagerplanung, Methoden, Systeme und Kommissionierzeiten

// 17.03.2020

Moderne Warenwirtschaftssysteme gehören heute in mittleren und großen Handelsunternehmen zum Standard. Je mehr Verkaufswege bedient werden, desto wichtiger ist eine organisierte Lagerhaltung um Doppelbuchungen oder Ähnliches zu vermeiden. Ein professionelles Warenwirtschaftssystem ist daher unverzichtbar, um die verschiedenen Verkaufskanäle zu bedienen und im Lager den Überblick zu behalten.

Was ist Kommissionierung?

Der Begriff der Kommissionierung bezeichnet im Wesentlichen die Zusammenstellung von Waren aus einem gegebenen Sortiment nach Vorgabe durch Kundenaufträge oder Bestellungen. Wie und in welcher Form sie erfolgt, hängt von der Lagerplanung und der Art der Waren ab.

Wie beeinflusst die Lagerplanung die Kommissionierung?

Die Entnahme von Waren von ihren Lagerplätzen kann nach dem sogenannten FIFO-Prinzip (First In First Out) oder dem LIFO-Prinzip (Last In First Out) erfolgen. Die Wahl des richtigen Prinzips wird in der Regel von den gelagerten Waren bestimmt. Verfügen die Produkte über ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), ist die Kommissionierung nach dem FIFO-Prinzip zum Beispiel zwingend notwendig. Nur so ist sichergestellt, dass die älteste Ware immer zuerst versendet wird. Bei anderen Waren kann alternativ das LIFO-Prinzip genutzt werden. Gerade bei Kleinstprodukten wie Schrauben oder Ähnlichem ist ein Versand nach FIFO nicht unbedingt wichtig.

SelectLine Lagerverwaltung

Ein schöner Nebeneffekt des FIFO-Prinzips: Es erlaubt die Preisgestaltung in Abhängigkeit vom Einkaufspreis. Steigt dieser für einen Teil der Ware an, können die bereits gelagerten Artikel zunächst noch weiterhin für den günstigeren Verkaufspreis angeboten werden. Noch mehr zum Thema Lagerverwaltung erfahren Sie in diesem Beitrag.

Welche Kommissionierprinzipien gibt es?

Es wird grob zwischen zwei Kommissionierprinzipien unterschieden: der Ware-zum-Mann-Kommissionierung und der Mann-zur-Ware-Kommissionierung. Beide haben ihre Vor- und Nachteile, sodass sich je nach Lagerumfang eine von beiden besser eignet. Die Ware-zum-Mann-Variante erlaubt beispielsweise die Einrichtung von festen Arbeitsplätzen. Die Ware wird über eine spezielle Fördertechnik zum Kommissionierer gebracht, der sie dann nur noch in entsprechender Menge verpacken und für den Versand vorbereiten muss.

Ware-zum-Mann Kommissionierung

 

Welche Vorteile hat die Ware-zum-Mann-Kommissionierung?

 

Kurz gesagt, bietet dieses Prinzip die folgenden Vorteile:

  • Die Wegzeiten für die Bearbeitung einer Bestellung werden gering gehalten. Dadurch ist eine hohe Kommissionierleistung möglich.
  • Jeder Mitarbeiter kann eine große Menge an Artikeln betreuen.
  • Die Fehlerquote beim Verpacken der einzelnen Aufträge ist sehr gering.
  • Die Warenbehälter werden durch die Automatisierung leicht hin und zurück transportiert.
  • Durch den festen Standort des Kommissionierprozesses kann hier ein ergonomischer Arbeitsplatz eingerichtet werden.

 

Dennoch gibt es neben diesen Vorteilen auch ein paar Nachteile:

  • Die Automatisierung des Warentransports zur Kommissionierungsstation verlangt zunächst eine hohe Investition.
  • Ein Maschinenausfall in der Fördertechnik kann im schlimmsten Fall einen kompletten Ausfall des Lagers verursachen.
  • Die Kommissionierer können aufgrund der festen Plätze nur schwer beziehungsweise begrenzt flexibel auf neue Herausforderungen reagieren.

 

Was ist das Mann-zur-Ware-Kommissionierprinzip?

Dem Namen entsprechend begibt sich der Kommissionierer hier zur Ware beziehungsweise an deren Lagerplatz. Meist erfolgt das ohne automatische Hilfsmittel, weshalb sich die Variante vor allem für kleinere Aufträge und leichte Waren eignet. Dennoch wird sie mittels mehrstufiger Kommissionierung auch in größeren Distributionszentren erfolgreich eingesetzt.

Mann-zur-Ware KommissionierungVorteile

  • Es sind nur geringe Investitionen notwendig.
  • Bei optimierten Wegen ist auch hier eine hohe Kommissionierleistung möglich.

Nachteile

  • Die Warenentnahme ist gegebenenfalls anstrengender – in Abhängigkeit vom Gewicht der Produkte.
  • Die Laufwege und damit auch die Wegzeiten sind länger.
  • Da sich der Kommissionierer durch das Lager bewegt, ist es nur schwer möglich, den Arbeitsplatz ergonomisch zu gestalten.

Was bedeutet einstufige und mehrstufige Kommissionierung?

Aufgrund ihres Vorgangs wird für die Mann-zur-Ware-Methode zusätzlich zwischen der einstufigen und der mehrstufigen Kommissionierung unterschieden. In der einstufigen Variante gibt es, dem Namen entsprechend, in der Bearbeitung nur eine Stufe. Jeder Auftrag wird also einzeln für sich zusammengestellt. Folgende einstufige Kommissioniermethoden werden unterschieden:

  • auftragsorientierte, parallele Kommissionierung
  • auftragsorientierte, serielle Kommissionierung

Bei der parallelen Bearbeitung wird der jeweilige Auftrag auf die betroffenen Lagerzonen aufgeteilt. Die Teilaufträge werden dann gleichzeitig bearbeitet, was zu einer deutlichen Einsparung an Wegstrecken und in Folge zu einer schnelleren Bearbeitung führt. Der Nachteil ist allerdings der zusätzliche Schritt der Vereinigung der einzelnen Teilaufträge.

Einstufige Kommissionierung

Etwas anders funktioniert die serielle Kommissioniermethode. Hier wird jeder Auftrag Position für Position abgearbeitet. Dabei durchläuft ein Mitarbeiter entweder alle Lagerzonen oder der Auftrag wird von Zone zu Zone weitergereicht. Daraus ergeben sich im Vergleich längere Bearbeitungszeiten aufgrund der längeren Wegstrecken. Auch die eventuell ungleiche Auslastung einzelner Lagerzonen kann bei größerem Arbeitsaufkommen zur Herausforderung werden.

Kommissioniersystem in Verbindung mit mehrstufiger Kommissionierung

Die wichtigste mehrstufige Kommissionierungsmethode ist die

  • serienorientierte, parallele Kommissionierung

In der mehrstufigen Kommissionierung wird gleichzeitig für mehrere Aufträge gepackt. Das heißt, es werden die einzelnen Positionen der verschiedenen Aufträge zusammengefasst und die Gesamtmengen von den zugehörigen Lagerplätzen entnommen. Erst danach werden sie auftragsorientiert weiter verpackt. Diese Methode wird gern in modernen Kommissioniersystemen eingesetzt, da sie es erlaubt, sehr große Artikelmengen gleichzeitig zu bearbeiten.

Mehrstufige KommissionierungEtablierung von digitalen Kommissionierprozessen in Unternehmen

Viele Kommissionierprozesse erfolgen heute vollständig papierlos. Die Aufträge werden in  einer mobilen Datenerfassung (MDE)  oder in anderer Form bereitgestellt. Anschließend können die Artikel bequem am Lagerplatz entnommen werden. Um die Entnahme dem System mitzuteilen, werden meist die Artikelnummern gescannt und die entnommene Menge eingegeben. So können sie dem Auftrag zugeordnet und aus dem System ausgebucht werden.

Der Wareneingang erfolgt ähnlich. Auch hier werden die Artikelnummern gescannt und anschließend ihren Lagerplätzen zugewiesen. Dabei können bei Bedarf auch die einzelnen Lagerplätze mit Barcodes versehen werden, um weiteren Aufwand einzusparen. Es gibt heute verschiedene Mittel, die Kommissionierung einfacher zu gestalten und die Fehlerquote zu reduzieren. Eine durchdachte Lagerordnung ist dabei nur ein Schritt. Auch die optische Unterstützung in Form von Lichtern an den einzelnen Lagerplätzen kann Zeitersparnis bedeuten. Die Auftragsnummer wird eingescannt und es werden kleine Lichter an den jeweiligen Lagerplätzen eingeschaltet. So ist direkt sichtbar, welche Produkte entnommen werden müssen.

Sie haben Fragen zur Kommissionierung oder möchten mehr über das Zusammenspiel mit einem Warenwirtschaftssystem erfahren? Dann sprechen Sie uns an.

Die Zusammensetzung der Kommissionierzeit

Wenn es um die Optimierung von Kosten geht, können Sie mit Hilfe der Kommissionierzeit großen Einfluss darauf nehmen. Die Kommissionierzeit bildet die Gesamtzeit ab, die für die Bearbeitung eines Auftrags benötigt wird. Von ihr hängt es also ab, wie schnell Ihr Kunde oder die Produktion die gewünschten Artikel bzw. Materialien erhalten. Sie setzt sich zusammen aus der Basiszeit, Wegzeit, Greifzeit, Totzeit und Verteilzeit. Da die einzelnen Zeiten den Preis eines Produktes mitbestimmen, sollte es Ihr Ziel sein, diese möglichst kurz zu halten.

In der nachstehenden Tabelle haben wir Ihnen die Einzelzeiten übersichtlich mit Tätigkeitsbeschreibungen aufgeschlüsselt:

Einzelzeit

Erläuterung/Beispiele

Basiszeit

Organisatorische Arbeiten, die vor und nach der Kommissionierung notwendig sind:

  • Informationsbeschaffung
  • Auftragszuweisung an die Kommissionierer
  • Vorbereitung der Kommissionierliste
  • Aufnahme und Abgabe des Kommissioniergerätes
  • Bereitstellung aller benötigten Hilfsmittel (Behälter,
    Transportfahrzeuge etc.)
  • Belegsortierung und -übergabe

+ Wegzeit

Zeitaufwand, der den Weg zum Aufbewahrungsort der Ware und zurück zum Kommissionierbereich beschreibt (hier entsteht häufig der größte Zeitverlust):

  • Anlaufen der Lagerorte aller Auftragspositionen
  • Rückkehr zum Ausgangspunkt

+ Greifzeit

Auch Pick- oder Entnahmezeit genannt. Beschreibt die Zeit, die für die Artikelentnahme bis hin zu dessen Ablegen in den Kommissionierbehältern benötigt wird:

  • Hinlangen, Greifen und Herausnehmen des
    Artikels
  • Beförderung des Artikels zum Ablageort
  • Ablegen des Artikels im vorgesehenen Behälter

+ Totzeit

Notwendige aber unproduktive Nebentätigkeiten, die am Bereitstellungsplatz anfallen, aber nicht direkt zum fortlaufen des Warenflusses beitragen:

  • Artikel suchen, identifizieren und
    kontrollieren
  • Lagerplatzsuche
  • Artikel zählen, wiegen und messen
  • Verpackungen öffnen
  • Artikelentnahme vermerken
  • Etikettieren und quittieren
  • Verpacken und beschriften
  • Lesevorgänge und Bearbeitung von Kommissionierfehlern

+ Verteilzeit

Unproduktive Zeit, die durch sachliche oder persönliche Gründe entsteht:

  • Häufige Pausen aufgrund von Arbeitsmangel
  • Hohe Wartezeiten auf Transportmittel, Behälter
    oder benötigte Informationen
  • Gang zur Toilette
  • Häufige Kaffeepausen und Scheinarbeiten von
    unmotiviertem Personal

= Kommissionierzeit

Genaue Messung der Einzelzeiten ergibt addiert die Kommissionierzeit.

Wie können Sie Ihre Kommissionierzeiten reduzieren?

Bei der Optimierung von Lagerprozessen, die einen Einfluss auf die Kommissionierzeit nehmen, spielen Automatisierung und Digitalisierung eine tragende Rolle. Durch diese beiden Maßnahmen ist eine schnellere Bearbeitung der Warenbestellungen möglich, wodurch die Einzelzeiten der Kommissionierung verringert werden können und somit auch der damit einhergehende Kostenfaktor. Ein weiteres Plus dieser Optimierungen ist die Reduzierung von Fehlentnahmen, Inventurdifferenzen und all ihrer Folgen.

 

So verkürzen Sie die Basiszeit:

  • Straffen Sie gut gestaltete Prozesse und optimieren Sie die Organisation der Arbeitsvorbereitung.
  • Verbessern Sie die Erreichbarkeit von benötigten Hilfsmitteln.
  • Nutzen Sie ERP-Software bzw. Wawis um die Kommissionierliste schneller und einfacher zu erstellen.
  • Schaffen Sie eine dezentrale Abgabestelle von Belegen.

So verkürzen Sie die Wegzeit:

  • Schulen Sie Ihre Mitarbeiter ausreichend, um Fehlgänge aufgrund schlechter Lagerkenntnisse zu vermeiden.
  • Optimieren Sie die Wege. Setzen Sie beispielsweise Durchlaufregale ein, legen Sie einen Hauptgang fest, von dem aus einzelne Kommissioniergänge bedient werden können oder ermöglichen Sie bei langen Lagerwegen die Nutzung von Kommissionierfahrzeugen.
  • Erhöhen Sie die Artikelkonzentration und analysieren Sie die Umschlagshäufigkeit von ein- und auszulagernden Waren. Platzieren Sie die am häufigsten verlangten Artikel am Regalanfang.
  • Ermöglichen Sie eine gute Erreichbarkeit aller Lagerplätze.
  • Auftragsorientierte Kommissionierungen sollten vermieden werden. Fassen Sie Teilaufträge für einen Kommissionierrundgang zusammen, um mehrere Aufträge parallel von mehreren Kommissionierern in unterschiedlichen Lagerzonen zu bearbeiten.

So verkürzen Sie die Greifzeit:

  • Platzieren Sie Artikel mit hohem Umschlag in leicht erreichbarer Griffhöhe und -tiefe im Regal. Dabei spielen Faktoren wie Gewicht, Artikelgröße und Empfindlichkeit eine entscheidende Rolle.
  • Eine beleglose Kommissionierung ermöglicht den Laberarbeitern die Hände frei zu halten und effizienter zu arbeiten.
  • Schaffen Sie mit geneigten Rollbahnen in den Durchlaufregalen eine dynamische Lagerung. Packstücke gelangen so selbstständig zum Regalende.

So verkürzen Sie die Totzeit:

  • Bilden Sie die Standorte jedes einzelnen Artikels in einem virtuellen Lager ab und verkürzen Sie dadurch die Suchzeit. Generell ist eine gut durchdachte Lagerorganisation stets von Vorteil. Stellen Sie beispielsweise Vorverpackungen in unterschiedlichen Mengeneinheiten bereit, um zeitaufwendige Zählvorgänge zu vermeiden.
  • Den Suchprozess können Sie zudem mit deutlichen und effektiven Kennzeichnungen vereinfachen.
  • Geben Sie ausschließlich komplette Lagereinheiten ab.

So verkürzen Sie die Verteilzeit:

  • Schaffen Sie bessere Arbeitsplatzbedingungen und motivieren Sie Ihre Mitarbeiter. Führen Sie beispielsweise ein Prämienlohnsystem ein, das sowohl quantitative als auch qualitative Gesichtspunkte berücksichtig.
  • Beachten Sie bei der Optimierung der Verteilzeit jedoch, dass die Mitarbeiter stets durch ihren eigenen Willen dazu beitragen müssen.

 

Sie haben Fragen zu Optimierungen in der Kommissionierung oder möchten mehr über das Zusammenspiel mit einem Warenwirtschaftssystem erfahren? Dann sprechen Sie uns an.




Kommentare

2 Kommentare vorhanden

  • Kommentar von Michael Munk
    // 10. April 2020 um 10:14

    Lieber Tobias Ambrosch, vielen Dank für diesen sehr guten Beitrag, ich freue mich auf weitere Informationen in dieser Qualität.

  • Kommentar von Tobias Ambrosch
    // 14. April 2020 um 11:27

    Hallo Herr Munk, vielen Dank für das Lob. Wir werden weiterhin unser Bestes geben und die Qualität der Artikel hoch halten.

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